Jahrzehntelanges Fertigungs-Know-how von LG Electronics trifft auf NVIDIAs Robotik-Stack im neuen Data Factory-Standort von LG in Seoul.
LG Electronics (LG) treibt seine Zusammenarbeit mit NVIDIA im Bereich Robotik weiter voran. LG empfing hochrangige NVIDIA-Vertreter:innen in seiner derzeit im Bau befindlichen Data Factory am Yangjae R&D Campus in Seoul, um die Ausrichtung der gemeinsamen Aktivitäten zu überprüfen und weitere Möglichkeiten für Synergien zu diskutieren.
LG Group und NVIDIA hatten am 13. August Ortszeit am NVIDIA-Hauptsitz in Santa Clara, Kalifornien, eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MOU) über eine strategische Zusammenarbeit bei zukünftigen Geschäftsfeldern unterzeichnet. Dass sich beide Unternehmen nur vier Tage später erneut in der Data Factory von LG trafen, unterstreicht den Anspruch, die strategische Kooperation rasch zu konkretisieren und die Kommerzialisierung des Robotikgeschäfts zu beschleunigen.
Vertreter:innen beider Unternehmen informierten sich zudem über den aktuellen Stand der Data Factory von LG, die bis Ende dieses Jahres vollständig in Betrieb gehen soll. LG setzt dort seine selbst entwickelten und bereits praxiserprobten LG CLOiD™ Home Robots in größerem Umfang ein, um Daten zu generieren, zu sammeln und für Lernprozesse zu nutzen.
Data Factory als Herzstück für das Robotertraining
Die Data Factory von LG umfasst Trainingsbereiche, in denen Roboter unterschiedlichste Aufgaben üben, sowie eigene Zonen zur Validierung und Weiterentwicklung der dabei entstehenden Datensätze. Dazu gehört eine nachgebildete Wohnumgebung, in der LG CLOiD Reinigungsaufgaben erlernt und wiederholt, ebenso wie ein simuliertes Fertigungsumfeld nach dem Vorbild des LG-Waschmaschinenwerks in Tennessee. Dort bewegen, stapeln und montieren LG CLOiD-Einheiten verschiedene Bauteile.
Darüber hinaus kommen die Roboter in Logistikautomatisierungslösungen von LG CNS sowie in einem Bereich zum Einsatz, in dem LG Innotek robotische Hände trainiert. Die in diesen Umgebungen gewonnenen Daten werden mit NVIDIAs Robotik-Stack verknüpft, dort erweitert und synthetisch aufbereitet, um hochwertige Trainingsdaten für Roboter zu erzeugen.
Für LG liegt eine zentrale Stärke von Physical AI in der Fähigkeit, ein sogenanntes „Data Flywheel“ aufzubauen. Dabei werden kontinuierlich hochwertige Daten gesammelt, die wiederum zur Schulung und fortlaufenden Verbesserung von Robotern genutzt werden. Durch die Verbindung detaillierter Daten aus jahrzehntelangen Fertigungs- und Logistikprozessen von LG mit NVIDIAs Robotik-Stack soll ein weltweit führendes Data Flywheel entstehen, das LG im Wettbewerb deutlich differenziert.
Die Data Factory dient sowohl als physischer Lernraum, in dem Roboter durch reale Interaktionen Daten sammeln, als auch als zentrale Plattform zur Erweiterung, Synthese und Skalierung von Trainingsdaten aus LGs Fertigungs- und Logistikstandorten sowie aus weltweit eingesetzten Haushaltsgeräten.
Dabei kommen NVIDIAs Physical-AI-Technologien über die gesamte Prozesskette von der Datenerzeugung bis zum Einsatz zum Einsatz, darunter NVIDIA Omniverse Libraries, NVIDIA Cosmos Open World Models sowie die offene Robotik-Entwicklungsplattform NVIDIA Isaac.
100.000 Trainingsstunden für Physical AI
Die Anlage in Yangjae erstreckt sich über vier Stockwerke – ein Untergeschoss und drei oberirdische Etagen – und verfügt über eine Gesamtfläche von 10.000 Quadratmetern. Bis Ende des Jahres sollen dort mehrere hundert Roboter eingesetzt werden. LG plant zudem, seine Systeme für datenbasiertes Lernen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Bis Ende dieses Jahres sollen die direkt in der Anlage gesammelten Trainingsdaten sowie die mithilfe der NVIDIA Cosmos Open World Models synthetisch erzeugten und erweiterten Daten insgesamt 100.000 Trainingsstunden umfassen – das entspricht rund zwölf Jahren Datenmaterial.
LG will diese Daten nutzen, um sein Robot Foundation Model (RFM) weiterzuentwickeln, das eine zentrale Grundlage für die Leistungsfähigkeit humanoider Roboter bildet, und damit seine Wettbewerbsposition im Robotikbereich weiter stärken.
Neue Data Factory skaliert das Robotertraining
LG hat dieses Jahr zum Ausgangspunkt seiner verstärkten Robotik-Offensive erklärt und baut seine Fähigkeiten in diesem Bereich rasch aus. Im vergangenen Monat gründete das Unternehmen ein eigenes Robotics Business Center. Die direkt an den CEO berichtende Einheit verantwortet das unternehmensweite Robotikgeschäft und soll insbesondere Umsetzungsgeschwindigkeit und Effizienz verbessern.
LG verfügt bereits über eine starke Position in den Märkten für Industrie- und Servicerobotik und plant nun die Expansion in den Bereich Home Robotics. Unterstützt durch seine ausgewiesene Expertise in der Fertigung sowie in der Entwicklung zentraler Robotikkomponenten, darunter Aktuatoren, bietet LG differenzierende Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von einzelnen Komponenten bis hin zu fertigen Produkten.
In Verbindung mit der Data Factory, die große Datenmengen für das Lernen und den Betrieb von Robotern sammelt und verwaltet, sollen diese Stärken die Transformation von LG zu einem umfassenden Anbieter von Robotiklösungen mit Hardware- und Softwarekompetenz weiter beschleunigen.
„Durch die Synergien von ‚One LG‘, also die Bündelung zentraler Kompetenzen innerhalb der gesamten Gruppe, und die strategische Zusammenarbeit mit globalen Partnern werden wir unsere Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Physical AI sichern und uns zu einem umfassenden Anbieter von Robotiklösungen entwickeln“, sagt Lyu Jae-cheol, CEO von LG Electronics.