Was 2012 als kleine Idee des Kindergarten- und Hortpädagogen Michael Wagenthaler begann, hat sich bis heute als Österreichs größtes musikpädagogisches Programm etabliert, das ein Drittel aller Wiener Volksschulkinder erreicht und seit zehn Jahren mit tausenden Kindern auf der größten Bühne der Wiener Stadthalle gefeiert wird. Die Monsterfreunde verbinden musikalische Bildung spielerisch mit schulischen Inhalten.
Sie heißen DO, RE, MI, FA, SOL, LA und TI. Und sie haben rund 24.000 Kinder in Österreich im heurigen Schuljahr durch den Unterricht begleitet. Denn die sieben Monsterfreunde haben jeder eine große Stärke in einem anderen Schulfach, die sie liebend gern weitergeben:
- Der blaue Monsterfisch DO liebt Turnen.
- Der grüne Monsterfrosch RE ist ein Mathe-Genie.
- Der gelbe Monstervogel MI hat ein großes Faible für Englisch.
- Die orange Monsterkatze FA mag vor allem Soziales Lernen.
- Der rote Monsterbär SOL kann besonders gut lesen und schreiben.
- Die beige Monstereule LA ist eine echte Expertin für Sachunterricht.
- Das violette Fledermausmonster TI ist eine begnadete Handwerkerin und Zeichnerin.
Die Namen der sieben Monsterfreunde sind ebenso wie ihre jeweiligen Farben kein Zufall: Benannt sind sie nach den sieben Silben der Tonleiter, und den Farbcode hat ihr Erfinder Michael Wagenthaler vom internationalen Kinder-Xylophon übernommen. Der Musikpädagoge hat mit seinen Monsterfreunden ein Lernkonzept entwickelt, das die Musik spielerisch in den gesamten Unterricht einbettet. Denn mit Musik geht alles leichter, auch das Lernen.
Sieben bunte Begleiter durch das Schuljahr bis zum großen Konzert
Gedacht sind die Monsterfreunde für alle vier Klassen der Volksschule. Lehrkräfte können sie sich in jeder Schulstufe am Beginn des neuen Schuljahres in die Klasse holen. In den folgenden Monaten erleben die Kinder dann viele kleine Abenteuer mit den Monsterfreunden, die sie das ganze Schuljahr hindurch begleiten bis zu einem großen Abschlusskonzert, bei dem alle mitmachen dürfen. Diese Konzerte, die zum ersten Mal 2016 in Wien veranstaltet wurden, stehen von 8. bis 10. Juni 2026 wieder in der Wiener Stadthalle auf dem Programm. Seit 2023 finden zudem auch Konzerte in Linz statt: heuer erstmals im Linzer Brucknerhaus, davor im Festsaal im Rathaus – zuletzt am 11. Mai 2026.
Und hier zeigt sich, was für ein gigantisches Projekt aus einer Idee geworden ist, die der Kindergarten- und Hortpädagoge Michael Wagenthaler, der früher auch als Chorleiter für ein Projekt der Wiener Sängerknaben tätig war, im September 2012 hatte: Denn in Wien füllen die Monsterfreunde-Konzerte an sechs Terminen hintereinander die große Stadthalle D, wenn jeweils rund 3.000 Kinder auf der Bühne stehen. Damit sind sie aktuell die größte En-Suite-Veranstaltung in Wiens größter Indoor-Location. Die Wiener Stadthalle wird dafür eigens umgebaut und die Bühne versetzt. Das gab es bisher nur bei „Wetten, dass ..?“
Ein Drittel aller Wiener Schulkinder
Im Gegensatz zu anderen Konzerten sind die Eintrittspreise aber bewusst niedrig und beginnen bei 20 Euro. Denn für die Konzerte gilt das Motto, das Michael Wagenthaler von Anfang an ausgegeben hat: Musik und insbesondere die Monsterfreunde sollen für alle leistbar sein. Und so erreicht er mit seinem Projekt mittlerweile ein Drittel aller Wiener Volksschulkinder, nämlich rund 22.000. Etwa 2.000 weitere Kinder gehen mit den Monsterfreunden in Oberösterreich in die Schule.
Als nächstes steht die Expansion in weitere Bundesländer an, und die Chancen stehen nicht schlecht, hat doch die Schirmherrschaft nach Bundespräsident Alexander Van der Bellen nun Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) übernommen. Den Ehrenschutz für Wien übernimmt Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und jenen für Oberösterreich Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP). „Abgesehen davon schauen wir aber streng darauf, dass die Politik draußen bleibt“, betont Michael Wagenthaler, der aber eben noch weitere Landeshauptleute für die Monsterfreunde gewinnen möchte.
Und eigentlich träumt er davon, überhaupt international zu expandieren. „Mag sein, dass das verrückt klingt, aber ich habe nicht umsonst gleich die amerikanischen Tonsilben genommen“, meint er schmunzelnd. Und die Geschichte der Monsterfreunde zeigt, dass seine Träumerei durchaus festen Boden hat. Schließlich schaffte er schon in den ersten zwei Jahren eine Steigerung von 750 Kindern auf erst 2.800 und dann auf 5.000. Heute sind es 24.000 Kinder pro Schuljahr.
Das Ziel der Monsterfreunde: Kinder bestärken
Mitmachen kann grundsätzlich jede Klasse, egal wie musikalisch oder unmusikalisch sich die Lehrkraft fühlt. Denn die Monsterfreunde kommen nicht alleine, sondern im Paket mit einer wissenschaftlich fundierten Unterstützung durch die Chorleiter des gemeinnützigen Vereins, den Michael Wagenthaler gegründet hat. „Wir empowern die Lehrkräfte. Und mit 22 Wochenstunden können wir jeweils 3.000 Kinder musikalisch betreuen.“
Es geht aber nicht darum, aus den Schülerinnen und Schülern kleine Musikstars zu machen, sondern die Monsterfreunde helfen ihnen in allen Lebenslagen im Schulalltag. Sie machen ihnen Mut, geben ihnen Selbstwert, fördern spielerisch das Verständnis für den Lernstoff und stärken die Lernfreude. Monsterfreunde-Kinder gehen also nicht nur mental gestärkt aus dem Projekt heraus, sondern haben im Durchschnitt auch bessere Noten, wie eine Erhebung gezeigt hat.
Nicht nur die Kinder sind begeistert, sondern auch die Lehrkräfte. „Die Monsterfreunde sind eine große Bereicherung für unsere Schule“, berichtet etwa die Direktorin der Linzer Edmund-Aigner-Schule, Doris Grinzinger. „Wir freuen uns sehr, dass wir am Programm teilnehmen dürfen. Die Chorstunden sind ein echter Gewinn und es hallt regelmäßig ein wunderschöner Klang durchs Schulhaus – das zaubert sowohl den Kindern als auch den Lehrkräften ein Lächeln ins Gesicht!"
169 Volksschulen aus Wien, Niederösterreich und Oberösterreich beteiligt
An den sechs Monsterfreunde-Konzerten in Wien nehmen heuer insgesamt 157 Wiener Volksschulen mit zwei oder mehreren Klassen teil – und damit mehr als die Hälfte aller Volksschulen in Wien. Aus Niederösterreich und Oberösterreich sind jeweils sechs Volksschulen und sogar aus dem Burgenland war eine Schule mit dabei– und künftig sollen es noch mehr werden.
Dass das Projekt weit über den Konzertmoment hinauswirkt, zeigt sich auch im Schulalltag. „Die Monsterfreunde bringen Fröhlichkeit und Farbigkeit in die Schule. Besonders schön ist, wenn die Kinder die Monsterfreunde-Lieder singen. Da freue ich mich dann in der Direktion besonders, denn in unserer kleinen Schule, höre ich es, wenn in einer Klasse gesungen wird“, sagt VDn Sabine Ludwig Szendi, BeD, der Volksschule Oberlaaer Platz.
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Fünf Fragen an Monsterfreunde-Gründer Michael Wagenthaler
Wie sind die Monsterfreunde entstanden?
Ich bin von der Ausbildung her Kindergarten und Hortpädagoge, aber ich habe auch Gesang, Tanz und Schauspiel studiert. In meinem Leben war schon immer die Musik ein ganz wichtiger Anker. Als Kind war ich schwer krank und musste hoch dosiertes Cortison nehmen, da bin ich binnen kürzester Zeit dick geworden und wurde von den anderen viel gehänselt. Heute würde man von Mobbing sprechen. Damals hat mir die Musik sehr geholfen – und das möchte ich heute an die Kinder weitergeben, wie viel Kraft sie einem geben kann.
Die Grundlage für die Monsterfreunde ist im Projekt „Superar“ der Wiener Sängerknaben – früher „Vorlaut“ genannt – gemeinsam mit dem Konzerthaus und der Caritas gelegt worden, das wiederum auf „El Sistema“ in Venezuela zurückgeht. Dort werden seit mittlerweile 40 Jahren Straßenkinder mit Essen versorgt – und sie bekommen ein Musikinstrument. Das hilft ihnen, ihren prekären Verhältnissen zu entkommen. Eines dieser Kinder war Gustavo Dudamel, der heute ein berühmter Dirigent ist.
Als ich bei „Superar“ engagiert war, hatte ich ein Schlüsselerlebnis: Wir haben mit Kindern aus sogenannten Brennpunktschulen – ich mag dieses Wort gar nicht – Musikprojekte gemacht, die uns bis nach China geführt haben. Und beim Rückflug bin ich neben einem Mädchen gesessen, das gesagt hat: „Meine Mama sagt, ich werde Putzfrau wie alle anderen in unserer Familie. Aber ich habe als Erste in meiner Familie die Chinesische Mauer gesehen. Ich bin ja jetzt schon weitergekommen als alle anderen. Vielleicht komme ich ja auch woanders weiter und muss gar nicht Putzfrau werden.“ Das war so prägend, dass ich mir gedacht habe: Ich kann jetzt nicht jedes Kind in einen Flieger nach China setzen, aber wir – und vor allem Kinder – haben eine unglaubliche Gabe, nämlich die Fantasie. Und wenn man sie fördert, dann kann man viel erreichen.
Ich habe dann die Monsterfreunde erfunden, die mein heutiger Ehemann gezeichnet hat. Entwickelt habe ich sie gemeinsam mit den Kindern, die ich damals in der Schule betreut habe, und daraus ist ein pädagogisches Tool entstanden. Die Kinder waren Feuer und Flamme, und damit wäre meine persönliche Reise eigentlich zu Ende gewesen. Aber dann haben mich Kolleginnen gefragt, ob man das Konzept nicht auf die anderen Fächer übertragen kann. Und das haben wir getan. Ja, und jetzt ist es ein Angebot für die gesamte Volksschule, bei dem man in jedem Schuljahr einsteigen kann.
Im Jahr 2012 hast du die Monsterfreunde erfunden – 2016 sind sie bereits in der Wiener Stadthalle aufgetreten. Wie habt ihr das geschafft?
Ich hab immer schon groß geträumt. Begonnen hat es mit 750 Kindern im ersten Jahr. Schon da war der Wunsch groß, dass es am Ende einen öffentlichen Auftritt geben sollte. Da hat jemand das Bezirkshaus Meidling vorgeschlagen, und ich hab gesagt: „Nein, wir gehören in die Wiener Stadthalle.“ Da haben mich alle angeschaut und gemeint: „Also, die Stadthalle ist vielleicht doch ein bisschen groß.“
Aber ich hab dann den Kontakt zur Stadthalle gesucht, und das Konzept hat ihnen so gut gefallen, dass eine Partnerschaft entstanden ist. Im ersten Jahr haben wir die Halle F einmal bespielt, im zweiten Jahr dann dreimal – da habe ich gesagt: „Wenn wir das nächste Mal kommen, möchte ich in die Halle D.“ Natürlich bin ich belächelt worden, und es hat geheißen: „Weißt du, wer in der großen Halle D auftritt? Helene Fischer, aber sicher keine Kinder.“ Tja, was soll ich sagen? 2018 hatten wir dann zwei Konzerte in der Halle D, für die sogar extra der Saal umgebaut worden ist, damit die Bühne groß genug für alle 5.000 Kinder war. Und zuletzt hatten wir sechs Konzerte hintereinander in der Halle D. Zum Vergleich: Helene Fischer hatte hier fünf Konzerte en suite.
Aber Helene Fischer hat mit ihren Konzerten wesentlich mehr Geld verdient. Was kostet ein Monsterfreunde-Konzert?
Unsere Eintrittspreise sind natürlich viel niedriger und fangen bei 20 Euro an, damit es sich auch wirklich alle Angehörigen, die ihre Kinder auf der Bühne sehen wollen, leisten können. Würden wir die Stadthalle gratis bekommen, wäre das Erste, was ich machen würde, mit dem Kartenpreis noch weiter runterzugehen. Auch die Teilnahme am Monsterfreunde-Programm selbst in der Klasse soll möglichst günstig sein, damit niemand ausgegrenzt wird. 58 Prozent der Monsterfreunde-Kinder haben eine andere Erstsprache als Deutsch, 33 Prozent brauchen ein zusätzliches Förderangebot. Aber jeder Euro, den wir in unsere Kinder investieren, kommt um ein Vielfaches zurück.
Was ist für dich das Besondere an den Monsterfreunden? Welcher Aspekt ist dir persönlich am wichtigsten?
Gerade bei den großen Abschlusskonzerten sieht man schön, worum es bei den Monsterfreunden geht. Wir feiern die Schule, das Lernen, das Abenteuer, aber vor allem auch die Freundschaft. Das ist immer ein ganz ein zentraler Punkt. Es geht um die Gemeinschaft: Jede und jeder ist unterschiedlich, aber alle zusammen sind wir quasi eine Einheit. Das ist das, was die Monsterfreunde vorleben und was auch in den Schulen ganz besonders positiv angenommen wird. Wenn 3.000 Kinder in der größten Konzerthalle Österreichs gleichzeitig auf der Bühne stehen, dann erleben sie: Ich kann etwas, ich werde gesehen, ich bin Teil von etwas Großem – das ist Gänsehaut pur. Und die Kinder zehren noch lange davon.
Ich erinnere mich noch gut an einen Buben aus einem der ersten Jahrgänge, bei dem die Lehrerin gesagt hat: „Du, den schick ich in eine andere Klasse. Der ist immer so mühsam.“ Und ich habe ihr geantwortet: „Nein, bei den Monsterfreunden wird niemand weggeschickt!“ Und so durfte er mitmachen. Da gab es dann einen ABC-Rap, da durfte er dann sogar beim Konzert einen Teil alleine vortragen. Also es hat letztlich auch mit ihm funktioniert. Jahre später kommt mir dann in Meidling auf der Straße ein junger Mann entgegen, so auf cool mit schiefem Kapperl und so, und grüßt mich mit den Worten: „Hey, Michael, kannst du dich noch an mich erinnern?“ Und singt mir auf offener Straße den ABC-Rap von damals vor. Dass da Passanten an ihm vorbeigegangen sind, war ihm völlig wurscht. Das sind so Kleinigkeiten, wo ich mir denk: Ja, da hat es eine gute Richtung genommen.
Was wünschst du dir noch?
Einen großen Wunsch werde ich mir demnächst erfüllen: Ich habe mein erstes großes Kinderbuch geschrieben – natürlich über die Monsterfreunde. Das wird nächsten Frühling im G&G-Verlag, dem größten Kinderbuchverlag in Österreich, erscheinen. Auch da gibt es einen pädagogischen Fokus mit Blick auf die Lesekompetenz. Damit füllen wir auch eine Lücke, weil es bisher kein Angebot für Kinder gibt, deren Klasse nicht bei den Monsterfreunden mitmacht. Denen soll das Buch eine Tür in diese Welt öffnen. Vielleicht entwickeln wir uns auch über die österreichischen Grenzen hinaus.
Und wer weiß, womöglich gibt es in fünf oder zehn Jahren auch einen Monsterfreunde-Kinofilm. Oder noch größer geträumt – bitte halte mich nicht für größenwahnsinnig, aber: Walt Disney hatte mit dem Themenpark Epcot ursprünglich auch ganz andere Träume als das Amusement, das es heute ist. Er wollte eigentlich einen Prototypen des „Community of Tomorrow“ schaffen, weil Bildung für ihn einen großen Stellenwert hatte. Aber eines ist jedenfalls fix: Wenn das Projekt immer größer und erfolgreicher wird, können wir uns hoffentlich mit dem Monsterfreunde-Verein immer stärker der Bildung verschreiben.